Das Thema heute: Einstellungen der Fachleute zu Menschen mit Suchterkrankungen

Auch in diesem Jahr fand der Deutsche Suchtkongress in Lübeck wieder statt – und die Merlato war dabei. Wir haben eine spannende Tagung und regen Austausch genossen und möchten nun Sie an den Ergebnissen und Erkenntnissen teilhaben lassen.

Das Thema heute: Einstellungen der Fachleute zu Menschen mit Suchterkrankungen

Angehörige von Gesundheitsberufen, z.B. Krankenpfleger oder Therapeuten, teilen mit der Allgemeinheit, also den Menschen, die nicht in Gesundheitsberufen tätig sind, eine Reihe von Urteilen und Vorurteilen. Das gilt auch oder gerade besonders hinsichtlich psychischer Erkrankungen allgemein und hinsichtlich Suchtkranker im Besonderen. Konkret heißt das, auch Personen, die im Gesundheitsbereich tätig sind, stigmatisieren Suchtkranke. Verwunderlich ist das nicht. Denn die Sozialisation, in der Stigmatisierungen aufgebaut werden, findet statt, lange bevor sich jemand entschließt in einem Gesundheitsberuf zu arbeiten.

Dr. Irmgard Vogt vom Institut für Suchtforschung der Fachhochschule Frankfurt beschäftigt sich mit der Frage, welche Einstellungen Fachleute zu Menschen mit Suchtkrankheiten haben. Dazu fasst sie bereits vorliegende Studien zusammen. In diesen geht es immer um die Einstellungen, Vorurteile und damit in Zusammenhang stehenden Stigmatisierungen und Diskriminierungen von Suchtkranken durch das Fachpersonal in verschiedenen medizinischen Einrichtungen. Dazu gehören ambulante und stationäre Kliniken, Praxen und ähnliches; aber auch Beratungs- und Anlaufstellen für Suchtkranke. 

Als Ergebnis stellt Vogt fest, dass das Fachpersonal in medizinischen Einrichtungen Vorurteile gegenüber Suchtkranken besitzt – jedoch in deutlich geringerem Umfang als die Allgemeinbevölkerung. Insbesondere herauszustellen ist, dass besonders schwere Vorurteile  und damit einhergehende Stigmatisierungen und Diskriminierungen gegenüber Männern und Frauen bestehen, die mit Opioiden (z.B. Methadon) behandelt werden und zusätzlich Straßendrogen konsumieren. Ebenfalls stark stigmatisiert werden Personen beider Geschlechter, die eine HC- und/ oder ein HI-Virus-Infektion haben. Auffallend war auch, dass drogenabhängige Frauen stärker diskriminiert werden als drogenkonsumierende Männer.

Eine schwerwiegende Folge aus vorhandenen Vorurteilen ist, dass das Fachpersonal diejenigen Patienten, die es stigmatisiert, schlechter behandelt, als es erforderlich wäre und sich weniger für sie einsetzt. Resultierend daraus werden Behandlungen frühzeitig abgebrochen. Dadurch werden Rückfälle begünstigt.

Fakt ist leider, so Vogt, dass in den meisten Ausbildungen für medizinische Berufe das Thema der Suchterkrankungen stark vernachlässigt wird. So zum Beispiel in der Medizin oder der Psychologie. Erschwerend kommt hinzu, dass, wenn Suchtkrankheiten in der Ausbildung behandelt werden, bereits Vorurteile der Lehrenden an die Lernenden weitergegeben werden. Fort- und Weiterbildungen im Bereich Suchtkrankheiten sind möglich, müssen aber zusätzlich und eigenmotiviert absolviert werden.

In der Praxis sind laut Vogt außerdem zwei Phänomene festzustellen: Psychiater und Psychotherapeuten, die mit suchtkranken Menschen zusammenarbeiten, haben ihnen gegenüber häufiger weniger Vorurteile. Doch nicht immer ist es so, dass vermehrter Kontakt mit Suchtkranken zu einem Abbau von Vorurteilen führt; er kann auch desillusionierend wirken. 

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