Merlato GmbH besucht Fachtagung an der Universtität Hamburg

Neues aus der Glücksspiel(sucht)-Forschung: Erkenntnisse für Prävention und Hilfe

Am Donnerstag, 08.06.2017, veranstaltete das Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung e.V. der Universität Hamburg die Fachtagung „Neues aus der Glücksspiel(sucht)-Forschung: Erkenntnisse für Prävention und Hilfe“. Verschiedene Wissenschaftler aus der Glücksspielsucht-Forschung präsentierten ihre aktuellen Erkenntnisse zum Thema.

Organisatoren der Veranstaltung waren Dr. Jens Kalke vom Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung e.V. und Dr. Ingo Fiedler vom Arbeitsbereich Glücksspiele an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg.

In einem Grußwort richtete sich Dietrich Hellge-Antoni von der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz Hamburg an die Zuhörer. Seiner Ansicht nach sei das Thema Glücksspiel seit dem 1. Glücksspielstaatsvertrag aus dem Jahr 2008 en vogue. Der Glücksspieländerungsstaatsvertrag gebe vor, dass die Bundesländer die Glücksspielsuchtforschung finanzieren. In dem Zusammenhang stellte Hellge-Antoni die Frage, ob es in dem Bereich bereits genug Forschung gäbe. Vorhandene Forschungsergebnisse müssten auf jeden Fall kritisch betrachtet werden; insbesondere, wenn sie von verschiedenen Interessengruppen finanziert wurden. Genug Forschung gäbe es jedoch noch nicht. Denn, „wer nichts weiß, der kann nur glauben“. Und das dürfe laut Hellge-Antoni nicht passieren.

Forscher der Universität Bremen – Marc von Meduna, Tobias Hayer – der Universität Hamburg – Ingo Fiedler, Jens Kalke, Sven Buth und Cordelia Mühlbach – der Universität Lübeck – Svenja Orlowski – und Jürgen Trümper vom Arbeitskreis gegen Spielsucht e.V. stellten ihre aktuellen Erkenntnisse einem Fachpublikum aus Wissenschaft, Politik, Hilfesystem und Glücksspielanbietern vor.

Zentrale Erkenntnisse aus dem Bereich „Social Gambling – Simuliertes Glücksspiel“ waren, dass Social Gaming leicht zugängig ist für Jugendliche und ein leichter Einstig in echte Glücksspiele (Marc von Meduna), dass sich die Grenzen zwischen Gaming und Gambling verwischen (Cordelia Mühlbach) und dass echtes Glücksspiel stark reguliert ist, Social Games hingegen nicht, was einen Anreiz für Anbieter darstellt (Ingo Fiedler).

Im Themenblock „Glücksspiel und Migration“ wurde dargestellt, dass für Menschen mit Migrationshintergrund, die unter glücksspielbezogenen Problemen leiden, ein spezielles Hilfeangebot geschaffen werden muss, da diese bisher wenig Hilfe in Anspruch nehmen (Svenja Orlowski), dass die Gründe für ein unterschiedliches Glücksspielverhalten verschiedener Migrantengruppen soziokulturelle Ursachen (Familie, Tradition, Religion), ein differenzierendes Krankheitsverständnis sowie individuelle Migrationsbedingungen sein können. Jens Kalke schließt daraus, dass die verschiedenen Migrantengruppen differenziert betrachtet werden müssen, um in Prävention und Hilfe zu bedarfsgerechten und angemessenen Interventionen zu gelangen. Sven Buth schließt an, dass eine schlechte Integration, geringe Sprachkenntnisse, ein geringer Bildungsabschluss, Arbeitslosigkeit sowie ein geringes Einkommen Risikofaktoren für türkeistämmige Migranten sind ein problematisches Spielverhalten zu entwickeln.

Das dritte große Thema des Tages waren die „Sportwetten“. Tobias Hayer machte nochmal deutlich, dass Sportwetten Glücksspiele sind und dass Sportler zu einer besonderen Risikogruppe bezogen auf problematischen Spielverhalten zählen. Jürgen Trümper ging in die gleiche Richtung und mahnte an, dass diejenigen, die bereits gewettet haben und eher jung sind, massiv ihre eigene Kompetenz überschätzten.

Zum Abschluss des Tages ging es in einer Gesprächsrunde um das Thema „Hilft die Spielersperre den Spielern? Ein Podiumsgespräch zur Effektivität des bundesdeutschen Sperrsystems“.  Es diskutierten Tillmann Becker von der Fachstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim, Nina Roth von der Landeszentrale für Gesundheitsförderung Rheinland-Pfalz e.V., Benjamin Schwanke von der Glücksspielaufsicht, Behörde für Inneres und Sport in Hamburg und Martin Wejbera von der Universität Mainz miteinander und mit dem Publikum. Alle Teilnehmer bewerteten die Spielersperre als wichtiges Instrument des Spielerschutzes. Ihre Ausgestaltung – Sperrdauer, Besuchsmöglichkeiten, spielformübergreifende und deutschlandweite Sperre, Möglichkeiten der Entsperrung und vieles mehr – müssten jedoch noch diskutiert und neu definiert werden.

Wir haben an einer spannenden und erkenntnisreichen Tagung teilgenommen.

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