Merlato GmbH besucht Symposium Glücksspiel

Liebe Merlato-Kunden,

am 15. und 16.03.2017 lud die Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim zum 14. Mal zum Symposium Glücksspiel ein. Neben über 200 Referenten und Gästen aus Wissenschaft, Praxis, Politik, Wirtschaft und Suchthilfe nahm die Merlato GmbH an einer spannenden und erkenntnisreichen Tagung teil.

Zur Begrüßung sprachen Prof. Dr. Dirk Hachmeister, Dekan der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hohenheim und Prof. Dr. Tilman Becker, geschäftsführender Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel, einige einleitende Worte. Becker prangerte dabei die Erosion des Rechtsbewusstseins an, da es sich heutzutage in Deutschland lohne, illegal zu sein. Somit könne der Verbraucher nicht mehr zwischen legalen und illegalen Glücksspielangeboten unterscheiden. Für ihn sei es wichtig, die Fakten zu nennen und diese dann in eine Regulierung umzusetzen.

Der Vormittag des ersten Tages stand unter der Überschrift „Europäische Rahmenbedingungen“. Dazu referierten Robert Wein, Mitglied der Europäischen Kommission in der Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU im Referat Dienstleistungen im öffentlichen Interesse sowie Dr. Dieter Kraus vom Europäischen Gerichtshof. Wein betrachtete die „Rolle der Europäischen Kommission auf dem Markt des Online-Gambling“. Da es hier keine Gesetzgebung auf europäischer Ebene gibt, haben die Mitgliedsstaaten viel Spielraum. Dies würde jedoch auch heißen, dass Anbieter, die in einem EU-Land eine Anerkennung erhalten, sich in einem anderen EU-Land auf diese nicht berufen können. Kraus hingegen betrachtete die „Kohärenz zwischen Online- und stationären Glücksspielangeboten“. Er sprach sich dabei für die Sinnhaftigkeit einer nationalen Behörde mit bundesweiten Zuständigkeiten aus. Diese würde nur intern streiten, nach außen mit einer Stimme sprechen und enorme Vorteile für die Regulierung des Glücksspielmarktes bringen.

Über den Mittag wurden drei verschiedene „Beispiele für eine Regulierungsbehörde“ für den Glücksspielmarkt vorgestellt. Tuula Sundstöm berichtete vom Finnischen Modell. Nadja Wierzejewski stellte das Modell einer zentralen Aufsicht in Rheinland-Pfalz vor, die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) und Peter Naessens, Mitglied der Belgian Gaming Commission berichtete aus seinem Heimatland.

Der Nachmittag und Abend dieses Tages standen im Zeichen der „Anforderungen an eine Regulierung“. Über die „Anforderungen an eine erfolgreiche Regulierung aus Sicht einer Lotteriegesellschaft“ referierte Marion Caspers-Merk, Geschäftsführerin der Staatlichen Toto-Lotto GmbH in Baden-Württemberg. Sie zeigte sich zunächst zufrieden mit den Regulierungsstrukturen, die es bereits für das Lotterieangebot gibt. Darüber hinaus sprach sie sich für eine zentrale Regulierungsbehörde in Deutschland aus und stellte dazu fünf Forderungen für das Online-Glücksspiel. Erstens: klare Regulierungsstrukturen; zweitens: das Verbot von Online-Casinos sowie eine strikte Umsetzung dieses Verbots; drittens: den Ersatz des Verlustlimits durch ein Einsatzlimit; viertens: eine Vereinfachung der Identifizierung und Authentifizierung sowie fünftens: eine bundesweite Sperrdatei für alle Spielformen. Für Caspers-Merk ist Glücksspiel ein Wirtschaftsgut wie jedes andere. Der Staat hätte hier eine Gestaltungsaufgabe. Er müsse gestalten, um die Spielfreue zu erhalten. Im Anschluss warf Christoph Schmidt, Geschäftsführer von ODS ODDSET Deutschland Sportwetten GmbH einen Blick auf die „Herausforderungen an eine erfolgreiche Regulierung des Sportwettenmarktes: die Rolle von Innovationen“. Das Nutzerverhalten von Sportwettkunden sei geprägt durch die Technik, die vorhanden sei. Und „Kunden wollen, was Kunden wollen“. Danach müssten sich sowohl die Anbieter als auch die Regulierer richten. Für Schmidt muss der Kundenwunsch adressiert werden, da sonst auch legale Anbieter in einem regulierten Markt nicht agieren könnten. Die Regulierung des Glücksspielmarktes müsse so gestaltet sein, dass Glücksspielanbieter mit ihren Innovationen erfolgreich sind: attraktiv, relevant und einfach. Ziel dabei müsse sein, dass die Kunden das regulierte (und damit legale) Angebot nutzen. Es dürfe keine Gründe dafür geben, auf illegale Angebote auszuweichen.

Gunter Fricke, Geschäftsführer der insic GmbH betrachtete am Abend das Thema „Identifizierung und Authentifizierung“. Dabei gäbe es verschiedene mögliche Verfahren. Dem Kunden sollte jeweils das für ihn passende Verfahren angeboten werden: smart und reaktiv. Dr. Michael Auer von der Firma neccton in Wien befasste sich anschließend spezifischer mit dem Thema „Technische Maßnahmen zum Spielerschutz im Online-Angebot“. Er hält dabei eine freiwillige Selbstbegrenzung der Spieler, bezogen auf ihren zeitlichen und finanziellen Einsatz, für sinnvoll. Darüber hinaus berichtet er von Erfahrungen mit Pop up-Fenstern, über die während des Spiels mit dem Spieler kommuniziert werden kann. Je individueller diese Kommunikation gestaltet wird, desto eher erreicht sie den Spieler und motiviert ihn beispielsweise dazu, sein Spielverhalten zu ändern. 

Der zweite Tag des Symposiums startete unter dem Thema „Spielerschutz“ mit einem Vortrag von Tanja Strohäker von der Universität Hohenheim zum „Profil gesperrter Spieler“. In einer Untersuchung, die sie gemeinsam mit Tilman Becker durchführte, beschreibt sie, welche soziodemographischen Risikofaktoren Einfluss auf die Umsetzung einer Spielersperre haben. Abschließend befasste sich Martin Wejbera von der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg- Universität Mainz mit dem Thema „Die Aufhebung der Spielersperre – Erfahrungen und Implikationen aus der Praxis“. Er stellte ein Verfahren vor, mit dem die Aufhebung von Spielersperren in Spielbanken gemeinsam durch die betroffene Spielbank selbst und das Kompetenzzentrum Spielerschutz und Prävention der Universität Mainz überprüft werden. Als dritter Referent beschäftigte sich Dr. Tobias Hayer vom Institut für Psychologie und Kognitionsforschung der Universität Bremen mit dem Thema „Social Gambling: Neue Suchtgefahren?“. Er stellte hier besonders das simulierte Glücksspiel im Internet als Gefahr heraus.

Das zweite große Thema des Tages nahmen die Spielhallen ein. Dazu betrachtete zunächst Prof. Dr. Sebastian Unger, Professor für Öffentliches Recht an der Ruhr-Universität Bochum, den „Rechtlichen Rahmen einer glücksspielrechtlichen Zertifizierungspflicht“. Zunächst wäre dazu zu klären, auf welcher Rechtsgrundlage eine Zertifizierungspflicht für Spielhallen umgesetzt werden könnte. Eine Zertifizierungspflicht für Spielhallen würde laut Unger die Privatisierung der Aufsicht über das Glücksspiel zur Folge haben. Dazu wären weitere umfassende rechtliche Regulierungen erforderlich. Diese müssten festlegen, unter welchen Voraussetzungen eine Spielhalle zertifiziert werden darf. Einem gänzlich anderen Thema widmete sich Dr. Andreas Braun vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD in seinem Vortrag „Biometrie in Identifikation und Emotionserkennung“. Braun sieht in der Nutzung biometrischer Daten großes Potenzial, da diese immer verfügbar sind. Das Vorgehen würde auch die Beobachtung von Spielern am Geldspielgerät möglich machen. Es birgt aber auch noch große Herausforderungen. Im dritten Vortrag widmete sich Johannes Jasny von der Universität Hohenheim der Frage „Wer zockt wo? Hotspots von Geldspielgeräten und das sozioökonomische Milieu“. Die Ergebnisse seiner Untersuchung, die ausschließlich NRW und Baden-Württemberg betrachtete, besagen, dass das Angebot an Geldspielgeräten größer ist in städtischen Gemeinden mit hoher Arbeitslosigkeit, geringer Bildung, vielen Autobahnraststätten sowie jüngeren Menschen (in NRW) und vielen Migranten (in Baden-Württemberg).

Zum Abschluss des Symposiums wurden „Werte und Interessen“ auf dem Glücksspielmarkt betrachtet. Prof. Dr. Ulrich Haltern vom Institut für Öffentliches Recht der Universität Freiburg stellte die Frage „Warum gibt es ein Lotteriemonopol?“. Dr. Michael Egerer von der Sozialwissenschaftlichen Fakultät an der Universität Helsinki betrachtete die „Glücksspielpolitik unter dem Blickwinkel des Gemeinwohls“. Knut Walter, Sprecher des Düsseldorfer Kreises postulierte „Qualität und Verbraucherschutz als marktübergreifenden Lösungsansatz für gesetzliche Regulierungsprinzipien“. Und Johannes Richardt, Redaktionsleiter des Magazins Novo argumentierte für „Freiheit statt Paternalismus: Zur Kritik des Lotteriemonopols“. 

Auch der Termin für das 15. Symposium Glücksspiel der Forschungsstelle Glücksspiel an der Universität Hohenheim steht bereits fest. Es findet am 12. und 13.03.2018 statt. Wir freuen uns bereits jetzt auf eine spannende Tagung. 

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