Suchthilfe für Menschen mit Migrationshintergrund

Liebe Merlato Kunden,

seit vielen Jahren ist Deutschland ein beliebtes Einwanderungsland, so die OECD. Menschen mit Migrationshintergrund begegnen uns in vielen Lebenssituationen – auch beim Glücksspiel. In einem Interview (zum Interview hier klicken), das die SUCHT.HAMBURG, die landesweite Fachstelle für Suchtfragen, mit Nida Yapar, der dortigen Referentin für Suchtprävention und kulturelle Vielfalt, führte, wird dieses Thema beleuchtet.

Migrationserfahrung als möglicher Grund für problematisches Spielverhalten

Sie fragen sich, warum sich eine Suchthilfeeinrichtung mit dem Thema MigrantInnen und Glücksspiel beschäftigt? Weil es erwiesen ist, dass Personen mit Migrationshintergrund eher gefährdet sind, ein problematisches oder pathologisches Spielverhalten zu entwickeln. Ihre Migrationserfahrung ist hier der Knackpunkt.

Grundsätzlich kann jeder Mensch an einer Abhängigkeit erkranken. Belastende Erfahrungen sind eine mögliche Ursache. Eine Migrationserfahrung kann ein solches Ereignis sein; insbesondere, wenn sie nicht richtig aufgearbeitet wird. Erschwerend kommen hier Lebensumstände hinzu wie das Verlassen der Heimat, Diskriminierung im neuen Land, Chancenungleichheit und Benachteiligung. Dies sind Faktoren, die eine Suchtentstehung begünstigen können – auch eine Glücksspielsucht.

Ein Beispiel

Wir wollen die Problematik der erhöhten Suchtgefahr bei Menschen mit Migrationshintergrund an einem Beispiel verdeutlichen, dass auch Nida Yapar im Interview nutzt.

Stellen Sie sich einen jungen türkischen Mann vor, der eine Deutsche mit türkischen Wurzeln heiratet und somit nach Deutschland kommt. Die junge Ehefrau ist in Deutschland aufgewachsen, hier zur Schule gegangen, hat einen Beruf erlernt und arbeitet nun. Damit sorgt sie für ihre Familie. Den jungen Ehemann können wir als „Importbräutigam“ bezeichnen. Er spricht wenig bis gar kein Deutsch,  hat in Deutschland keine Freunde oder Bekannte, keinen Job und ist somit in vielerlei Hinsicht auf seine Frau angewiesen. Dies widerspricht grundlegend der Kultur, aus der der junge Türke stammt. In eher kollektivistisch geprägten Kulturen sorgt der Mann für seine Familie. Dass er dies in Deutschland nicht kann, bedeutet einen immensen Werteverlust. Der junge Ehemann entdeckt nun ein türkisches Café. Die Männer dort befinden sich in einer ähnlichen Situation wie er, alle sprechen türkisch. Zusammen werden Kaffee und Tee getrunken, Karten gespielt, Sportsendungen geschaut. Für ein bisschen mehr Spannung werden Fußballwetten gesetzt. Der junge Ehemann wird Fußball-„Experte“ und beschäftigt sich viel mit Sportereignissen, da er darüber hinaus wenig erlebt in seinem Alltag. Die Häufigkeit, mit der er an Sportwetten teilnimmt, steigt. Und damit steigt auch das Risiko, dass ihm das Glücksspiel entgleitet.

Nicht alle MigrantInnen sind gleich gefährdet

Besonders gefährdet, ein problematisches oder pathologisches Spielverhalten zu entwickeln, ist eine Gruppe, zu der auch der junge Ehemann im Beispiel zählt: junge Männer aus dem orientalischen Raum (Türkei, Iran, Afghanistan etc.). 

Suchthilfe für Menschen mit Migrationshintergrund

Entwickelt eine Person mit Migrationshintergrund ein auffälliges Spielverhalten, benötigt sie ebenso Hilfe, wie jeder andere. Nida Yapar stellt heraus, dass kein großer Unterschied darin besteht, Menschen mit oder ohne Migrationserfahrung in das Suchhilfesystem zu geleiten. Jede Zielgruppe sei am besten zu erreichen, indem sie direkt angesprochen und an der Entwicklung von Hilfeprogrammen beteiligt wird. Fachkräften aus der Suchthilfe ist dabei zu empfehlen, mit Migrantenorganisationen in der eigenen Stadt zu kooperieren. Gegenseitige Unterstützung und Ergänzung kann hier genutzt werden. Damit würde langfristig auch der Erfolg der Beratungsangebote steigen. Denn wie Menschen angesprochen und beteiligt werden sollten, hängt stark von ihrer jeweiligen Kultur ab.

Jeder Einzelne kann etwas tun

Als Betreiber einer Spielhalle, Aufsteller von Geldspielgeräten in der Gastronomie oder Sportwettvermittler stellen Sie Ihren Spielgästen bereits umfassende Informationen zur Verfügung, wie Regeln für verantwortungsvolles Spielen, den Selbsttest oder regionale Beratungsmöglichkeiten. Überlegen Sie doch einmal, ob es bei Ihnen Sinn macht, diese Informationen auch in anderen Sprachen auszulegen. So können Sie Menschen mit Migrationshintergrund direkt und einfach erreichen. 

Sie haben Fragen oder möchten mit uns über das Thema Suchthilfe für Menschen mit Migrationshintergrund diskutieren? Dann rufen Sie uns an unter 04221 2890469 oder schreiben Sie uns unter info@merlato.de.

Viele Grüße

Ihr Merlato Team

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